...EIN RISS.

Durch die Biographie Büchners geht ein Riss.

 

Das traumatische Erlebnis: Die Verhaftung seines Kampfgefährten und Freundes Minnigerode, der mit dem von Büchner (mit) zu verantwortenden „Hessischen Landboten“ geschnappt wurde. Daraufhin weitere Verhaftungen. Büchner plagt das Gewissen, die anderen da, wo er sein könnte, aber nicht ist: in Gefangenschaft. Der Mit-Leidende sieht sich in Schuld.

Nach diesem Trauma ist die Welt eine andere.

Er schreibt noch Danton, gerade noch und nur. Dann zerreißende Flucht

ins andere Land, ins andere Leben.

Rückzug und wissenschaftliches Arbeiten. Das Schreiben arbeitet am Riss.

(Noch auf dem Totenbett kehrt delirierend dieser Riss zurück.)

Durch die Topographie Büchners geht ein Riss.

 

Als hätte jemand mit einem stumpfen Messer die Büchnersche Landkarte der nachnapoleonischen Kleinstaaterei von Norden nach Süden zerrissen. Messernich.

Gießen-Butzbach/Frankfurt/Offenbach-Darmstadt-Straßburg-Zürich.

Büchner als Emigrant und Immigrant. Ein Leben zwischen In-Land und Aus-Land.

Zwischen Frankreich/Schweiz und „Deutschland“.

Über die grüne Grenze, des Nachts.

Und der Grenzen gab es viele.

Der inneren einige.

Durch die Arbeit Büchners geht ein Riss.

 

Die äußere Welt (- vaterverhaftet -) der Arbeit an der Karriere, Barben tagsüber sezierend, will Sicherheit, Aufgehobensein.

Die innere leidet mit der gesellschaftlichen Ungleichheit, hebt die äußere auf im nächtlichen Schreiben, das Kritik und Frage ist – politisch UND metaphysisch.

Durch die Gesellschaft Büchners geht ein Riss.

 

So klar der Schnitt des Guillotinenmessers, so zerrissen die Adlaten und Adepten der Revolution. (Das industrialisierte Töten wird später seine Blüten getrieben haben, noch später wird es nicht mehr körperlich sein, sondern virtuell.) Was Büchner schmerzlich schaut und gleichzeitig filigran filetiert, ist der Riss zwischen bürgerlicher und sozialer Revolution. Danton ist die fragende und verarbeitende Fortführung des Hessischen Landboten: Der Riss zwischen Arm und Reich, das ist die Vollendung der Umwälzung, der Urgrund der historischen Kläranlage. Sie kann nur nicht stattfinden. Jetzt noch nicht. Oder nie. Melancholie.

Durch den Riss Büchners dringt das Wort.

 

Durch den Riss Büchners dringt das Wort. Es drängt ins Vogelfreie und fliegt.

Nicht sesshaft die Feder.

Es hat aus Allem, dem Realen, dem Fiktionalen, die Samen gepickt, die andernorts nun durch die Erdspalten keimen, auch in der Krume sich krümmen. Woyzeck ist der  Samen, der durch den hemisphärischen Riss in unserem sozialen Hirn blüht und blutet.

Ein Aus-Setzling.

Wer setzt wen wohin und wer sich?  

Im alten Staate Dänemark. In Schottland die Hände(l) – wie immer!

Das hilfreich exportierte Sterilium schützt den Sessel vor Kontaminierung. Die Hand ist gluten- und laktosefrei und bevor der Wald heranrückt ans körperlich Unangenehme, roden wir die Hand vom Körper, damit wir sitzen bleiben können.

Wer setzt sich wider? Gegen sich selbst?

Wer setzt wen wohin und wer sich?

Kontakt

THEATERmobileSPIELE
Weinbrennerstr. 31
76185 Karlsruhe

Telefon

+49 (0)721-204 83 913

Mobil

+49 (0) 173 29 007 32

 

E-Mail

info@buehnenspiele.de

 

oder nutzen Sie unser Kontaktformular.

Druckversion Druckversion | Sitemap
© THEATERmobileSPIELE